Elterliche Wut – Auslöser und Lösungsansätze

Heute habe ich ein Thema für Euch, was mich sehr beschäftigt, nämlich elterliche Wut – Auslöser und Lösungsansätze

Manchmal, wenn ich abends nach einem besonders anstrengenden Tag im Bett liege und ich auf den Tag rückblickend feststelle, dass ich (mal wieder) nicht so als Mutter mit meinen Kindern agiert habe, wie ich es eigentlich möchte, kommen Zweifel in mir hoch. Und diese Zweifel sagen: Du bist keine gute Mutter – Du machst alles falsch.

Was ich falsch mache?

Ich bin phasenweise zu ungeduldig.
Ich höre manchmal nur mit halben Ohr zu.
Aber am schlimmsten, ich werde laut – ab und zu sogar richtig laut. Die wenigsten Menschen, die mich kennen, können das nachvollziehen, da ich meistens sehr ruhig und ausgeglichen bin, aber eben nur meistens.

Manchmal werde ich durch eine Aktion meiner Kinder so getriggert, dass bei mir eine Sicherung durchbrennt und ich meine Kinder laut anbrülle. Quasi in dem Moment, in dem es passiert bereue ich es schon und ich schäme mich dafür, dass ich es nicht unter Kontrolle hatte. Ich bin ständig dabei mich selbst zu reflektieren und zu überlegen wie ich es besser machen kann.

Was steckt aber dahinter, dass es trotz meines Willens nicht funktioniert, dass ich in sehr stressigen Situationen nicht schreie? Und welche Tipps gibt es, um aus der Brüll- bzw. Schreifalle rauszukommen?

Ich habe mit einer Therapeutin über die Wut gesprochen und auch viel dazu im Internet recherchiert.

Wut entsteht im Gehirn, genauer gesagt im limbischen System. Hier werden alle unsere Gefühle wie Freude, Angst, Traurigkeit, Ekel und natürlich auch Wut reguliert. Es gibt einen wesentlichen Zusammenhang zwischen den Emotionen und den körperlichen Reaktionen. Wir sehen z.B. eine Schlange, bekommen Angst und unsere körperliche Reaktion ist entweder Fliehen oder Kämpfen. Genau das gleiche passiert bei Wut – das limbische System sendet bei Aktionen die uns triggern „Notfall“ und die Reaktion darauf lautet: Angriff. Das Ganze läuft sehr schnell und völlig unbewusst ab und wir agieren einfach – in meinem Fall leider oft mit brüllen. Deshalb ist sehr wichtig zu Handeln bevor es zum Ausbruch kommt um den Kreislauf zu unterbinden.

Aber warum sind manche Situationen ein Auslöser (Trigger) für Wut und bei anderen kann man vollkommen gelassen reagieren?

Als Erstes muss man für sich selbst feststellen, welche Dinge oder Aktionen bei einem die Wut hoch- und überkochen lassen. Bei mir war und ist es jetzt noch ab und zu, wenn mein Sohn selbst einen unkontrollierten Wutanfall bekommt. Dann ist bei mir schnell ein Punkt erreicht, an dem ich ungeduldig und im schlimmsten Fall laut werde. Bei den Gesprächen mit der Therapeutin und durch viel Selbstreflektion bin ich diesen Dingen auf den Grund gegangen. Natürlich hat das ganze emotionale Ursachen, die in der Vergangenheit liegen. Die Wutausbrüche meines Sohnes lösen somit die Wut nur aus, sind aber nicht die Ursache. Seit ich das weiß, versuche ich genau das Gegenteil von dem zu tun, was ich eigentlich tun möchte (laut werden) ich nehme ihn in den Arm und nehme seine Wut an.

Natürlich hat Jeder von uns andere Trigger, die Wut auslösen können, aber ich denke mit dem Beispiel wird klar, was ich sagen möchte.

Was kann man noch tun, um zu verhindern, dass die Wut überkocht?

Dazu gibt es noch verschiedene Strategien und Tipps, um zu verhindern, dass es zum Ausbruch kommt:

  1. Atme tief durch, wenn Du merkst, dass Du anfängst ärgerlich zu werden
  2. Zähle bis 5
  3. Verlasse zur Not kurz den Raum bevor du schreist
  4. Mache Dir klar, was die Auslöser für Deine Wut sind um der Wut in Zukunft entgegenzusteuern
  5. Unternimm etwas nur für Dich selbst (Yoga, spazieren gehen,Sport, Buch lesen, etc.)
  6. Mache genau das Gegenteil von schreien – nimm Dein Kind einfach in den Arm und der Impuls geht vorbei

Und wenn es doch einmal passiert und ihr seid laut geworden – erklärt es Euren Kindern und entschuldigt Euch. Das können Kinder verstehen und lernen so, dass es ganz normal ist Gefühle zu zeigen und nichts unnatürliches.

Zum Schluss noch ein ganz wichtiger Punkt – nehmt Euch an wie Ihr seid, wir sind alle nur Menschen, wir machen alle Fehler und am Ende des Tages sollten wir trotzdem verständnisvoll auf uns selbst blicken und uns nicht nur verurteilen.

Allen, die noch mehr Infos über die Wut und Ihre Hintergründe erfahren möchten, kann ich folgende Seiten empfehlen: LiebevolleFamilie und Cognifit

Elterliche Wut – Auslöser und Lösungsansätze

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ein toller Beitrag mit praktischen und vor allem unsetzbaren Tipps! Was mich nur nachdenklich stimmt, ist das ich bei diesem Thema gefühlt nur Extremen begegne: Denen, die sehr schnell das schlechte Gewissen plagt. Obwohl sie 98 % des Tages die liebevollsten Eltern sind. Und diejenigen, die das als normal erachten und sagen: So bin ich halt ohne zu reflektieren.

    1. Vielen Dank für Deine Anmerkungen. Ich stimme Dir vollkommen zu – mir kommt es auch so vor, als ob es nur diese beiden Extreme gibt. Schlussendlich sind wir aber alle Menschen mit unseren Fehlern und Schwächen und ich denke, dass alle Eltern nur das Beste für ihre Kinder möchten. Die, die zusehr mit sich selbst ins Gericht gehen, sollten vielleicht etwas entspannter werden und die die gar nicht reflektieren, sollten evtl. ab und zu mal Ihre Art überdenken. Lieben Gruß Inken

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